Care for Carers - Selbstsorge und Sorge ums Ganze

Unter dem Namen «18 Übungen des Taiji-Qigong-Shibashi» wurde die uns heute bekannte Form 1979 von Professor Lin Housheng aus bewährten Übungen des Taijiquan und typischen Qi Gong-Übungen zusammengestellt. Dabei fanden ursprünglich vor allem medizinische Gesichtspunkte Beachtung.

Shibashi ist über die Philippinen nach Europa gekommen und erfreut sich hier seit den frühen 1990er-Jahren zunehmender Beliebtheit. Interessant ist der Hintergrund, wie und warum Shibashi auf den Philippinen selbst Fuss fassen konnte. Viele der sozial-politisch engagierten philippinischen Ordensleute und ihnen nahestehende Frauen und Männer waren im Widerstand gegen die Diktatur unter Ferdinand Marcos nach jahrzehntelangem Engagement für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden ausgebrannt, erschöpft und orientierungslos. Sie erkannten, dass sie eine spirituelle Verwurzelung und einen Nährboden für ihr politisches Engagement brauchten, und suchten dies in der grossen Tradition Asiens. Eine franziskanische Ordensfrau, Marimil Lobregat, kam ihnen – ohne es zunächst zu ahnen – zu Hilfe. Sie begann vor 30 Jahren in Sidney, Australien, in einem Sterbehospiz zu arbeiten und etwa in derselben Zeit entdeckte sie Taj Ji Qi Gong Shibashi. Während andere Hospiz-Mitarbeitende zunehmend unter Burnout litten, halfen ihr die täglich praktizierten Übungen, immer wieder zu Kräften zu kommen. Gemeinsam mit einer befreundeten philippinischen Ordensfrau, Guadelupe Bautista, und mit ihrer Jugendfreundin Matilde Mosco rief sie ein Programm ins Leben, welches vor allem jenen zugute kommen sollte, die vorwiegend und immer zuerst für andere da sind. Dies war die Geburtsstunde des »Care for Carers Ministry«.

Im Kern ist Care for Carers die Verbindung von Selbstsorge, u. a. durch die Praxis von Taj Ji Qi Gong Shibashi, und mitfühlendem Engagement für Menschen in Not und für die gesamte Mitwelt. Care for Carers-Gruppen gibt es mittlerweile auf den Philippinen, in Südafrika, Mexiko, Italien, der Schweiz und den USA.

Schwester Marimil Lobregat verbindet in ihrer Person östliche und westliche Quellen. Ihre Mutter war Spanierin, der Vater Filipino. In ihrer spirituellen Verwurzelung bezieht sie sich auf christliche Schöpfungsspiritualität ebenso wie auf die Weisheitstraditionen des Taoismus. Sie lebt in Sydney, Australien, und arbeitet heute noch als über 80-Jährige im Sterbehospiz. In ihrer übrigen Zeit unterrichtet sie zusammen mit Master Zhang Hao Akupressur, Taj Ji und Qi Gong am Chi Chinese Healing College. So praktiziert sie selbst beispielhaft das Ineinandergreifen von Selbstfürsorge und Sorge um die Menschen, die ihr anvertraut sind, eben: Care for Carers.

(Auszug aus dem Buch von Antoinette Brem und Barbara Lehner "Shibashi – Ruhe und Achtsamkeit erfahren. Lebensimpulse aus dem Qi Gong.", Grünewald 2010)